Nach der Meisterschaft in der Bezirksjugendliga 2023/24 folgt nun der nächste Tag für die Geschichtsbücher der Schachfreunde: Die SG Metzingen / Pfullingen („Mellingen“) ist erneut Bezirksjugendliga-Meister!
Ein Rückblick in die vergangenen Saisons:
In der Saison 2023/24 wurde die Jugendmannschaft der SF Pfullingen nach einem Regelverstoß beim SC Kirchheim/Teck am grünen Tisch Meister. Das Entscheidungsspiel gegen den Meister aus dem Bezirk Oberschwaben (die TG Biberach) ging 4,5 : 1,5 zu unseren Gunsten aus, wodurch wir in der darauffolgenden Saison in der Verbandsjugendliga antraten. In der Verbandsjugendliga erwies sich die Konkurrenz jedoch als zu stark – es ging nach nur einer Saison zurück in die BJL. Aufgrund von zu geringer Spielbereitschaft wäre diese Saison fast keine Mannschaft zustande gekommen – glücklicherweise hatten die Metzinger dasselbe Problem, sodass in letzter Minute noch die SG Metzingen/Pfullingen entstand. Die Crux im Vorfeld: Wir konnten zwar antreten, waren jedoch nicht aufstiegsberechtigt (SGs dürfen nicht aufsteigen).
Natürlich kam der Triumph nicht von selbst – es war ein weiter Weg. Diesen Weg könnt ihr mit dieser Berichtszusammenfassung ganz einfach direkt nachverfolgen. Viel Spaß damit!
Erster Spieltag (27.09.2025, Esslingen): SK Freibauer Esslingen vs. SG Metzingen/Pfullingen
Im Normalfall stehen an den Spieltagen der Bezirksjugendliga immer zwei Spiele an – da sich unser zweiter Gegner, der SV Reutlingen, aber kurzfristig aus dem Spielbetrieb zurückgezogen hatte, hatten wir nur ein Spiel am Morgen. Dafür beschlossen wir also, den weiten Weg nach Esslingen auf uns zu nehmen und die Jugendmannschaft des SK Freibauer Esslingen herauszufordern. Diese Begegnung fand im Lokal des alten Marinevereins Esslingen, dem „Tsingtau-Keller“, statt. Ein sehr schöner Ort mit einer großen Menge Geschichte. Trotz der Lage des Spielorts genoss Metzingen/Pfullingen in diesem Spiel Heimrecht, da es der Spielplan so vorgesehen hatte.
Der Auftakt verlief für die Spielgemeinschaft leider nicht ideal. Céleste saß an Brett 6 dem nominell leicht überlegenen Neev Sharma gegenüber, der seine DWZ-Überlegenheit ausspielen konnte und den Esslingern den ersten Punkt sicherte.

Auch danach blieb Esslingen am Drücker – Georg hatte mit Leonard Gette an Brett 2 ebenso einen starken Spieler vor sich sitzen. Das Duell sah von außen bereits sehr intensiv aus, aber auch hier gewann der Esslinger und konnte die Führung ausbauen.
„Mellingen“ befand sich also nun im Zugzwang, wenn man das erste Spiel noch gewinnen wollte. Diesem Zugzwang trotzte Rasmus ganz selbstbewusst – er ging als Favorit in das Duell gegen Felix Marquart, siegte souverän und ermöglichte so den Anschluss. Es stand nur noch 1:2 für Esslingen.
Dann der Doppelschlag der Hausmann-Brüder: Den Anfang machte Felix an Brett 4. Er ging, ebenso wie Rasmus, als eindeutiger Favorit in die Partie. Etwa 200 DWZ-Punkte trennten ihn von seinem Kontrahenten Michael Schlick. Diesen besiegte der Metzinger unbeschadet und glich zum 2:2 aus.

Nach einer Weile zog dann auch Felix’ kleiner Bruder Benjamin an Brett 5 nach – wie so oft befand sich auch hier der „Mellinger“ in der Favoritenrolle, etwa mit einem DWZ-Plus von 150. Damit war das Comeback geschafft – und das Remis bereits gesichert. Wurde es aber auch noch etwas mit dem Auftaktsieg?
Diese Frage zu beantworten lag nun allein bei Jose. Er duellierte sich bereits seit etwa 3 Stunden am Spitzenbrett mit dem Esslinger Führungsspieler Daniel Schaupp. Ausnahmsweise war in dieser Partie nicht der Spieler aus Metzingen/Pfullingen favorisiert, sondern der Esslinger hatte etwa ein DWZ-Plus von 90 auf seiner Seite. In das Endspiel startete Jose dennoch mit zwei Bauern mehr, und diesen Vorteil konnte er nach etwa anderthalb weiteren Stunden auch in einen Sieg ummünzen – so war der 4:2-Auftaktsieg für die neue SG Metzingen/Pfullingen gesichert.

Alle gezeigten Bilder wurden im „Tsingtau-Keller“ der Marinekameradschaft Tsingtau aus Esslingen aufgenommen. Ein sehr schönes Ambiente.
Zweiter Spieltag: 15.11.2025, Nürtingen

Erstes Spiel: SG Metzingen/Pfullingen vs. SC Kirchheim/Teck
Kirchheim galt im Vorfeld als klarer Ligafavorit, unter anderem wegen Spielern wie Manuel Park (über 1800 DWZ an Brett 1). Heute jedoch fehlten die ersten drei gemeldeten Kirchheimer Spieler, was die „Gäste“ (wir hatten Heimrecht) spürbar schwächte.
Der erste Punkt ging an Brett 6: Benjamin setzte sich sicher durch – „Mellingen“ führte.
Auch Georg gewann an Brett 2 klar gegen Sven Gürr – ein ungefährdeter Punkt und das 2 : 0 für uns.
An Brett 4 durfte sich Kirchheim eigentlich etwas ausrechnen: Alexandru (DWZ 1230) war nominell im Nachteil. Aber wie unser Jugendleiter Martin Schubert zu sagen pflegt: „Was sagt die DWZ schon aus?“
Heute jedenfalls nicht viel. Nach langer Ausgeglichenheit wandelte Alex im Endspiel seinen Bauern zur Dame um und hielt seinen Gegner (Nagul Senthil, DWZ 1454) vom Gegenspiel ab. 3 : 0 – das Unentschieden war sicher.
Benjamin‘s Bruder Felix an Brett 5 setzte im Gleichschritt mit Alexandru unsere Serie fort. Er war Favorit und gewann souverän. Der Mannschaftssieg war damit eingetütet.
Die längsten Partien spielten Jose (Brett 1) und Rémy (Brett 3).
Jose war als DWZ-stärkster Spieler klarer Favorit. Die Partie war anfangs ausgeglichen, entschied sich aber nach einem Abzugsschach mit Damenverlust – 5 : 0.
Zu Null wurde es dennoch nicht: Rémy bot seiner leicht stärkeren Gegnerin ein Remis an, das sie ablehnte. Die Partie blieb lange ausgeglichen, bis ein unglücklicher Turmverlust das Blatt wendete. So holte Kirchheim den Ehrenpunkt zum 5 : 1-Endstand.

Zweites Spiel: SV Nürtingen vs. SG Metzingen/Pfullingen
Nach einer etwas längeren Pause ging es für die SG Metzingen/Pfullingen (diesmal auswärts) gegen die Gastgeber aus Nürtingen weiter. Auch Nürtingen war nominell favorisiert, aber durch Ausfälle geschwächt – diesmal waren die „Mellinger“ sogar an allen Brettern vorne.
Den ersten Sieg holte erneut Alexandru. Sein Gegner Fabian Tapp hatte schon zuvor gegen Alexandrus vorherigen Gegner Nagul Senthil verloren, und auch hier setzte sich Alex sicher durch – 1 : 0.
Beflügelt vom Erfolg startete Georg gegen Kaan Aslan. Es ging lange hin und her, aber der Pfullinger setzte am Ende mit Bauer und Turm am Rand matt – 2 : 0.
Jose lieferte sich gegen Tom Luca Aurich ein intensives, lange ausgeglichenes Duell, gewann aber durch mehrere Materialgewinne im Endspiel – 3 : 0, das sichere Unentschieden.
Der vierte Sieg kam von Rémy an Brett 3 gegen Kyryl Kuksa – ein ungefährdeter Punkt.
Die beiden Hausmanns spielten noch zum Schluss:
Felix hatte bereits deutlichen Vorteil und erhöhte sicher auf 5 : 0.
Benjamin machte an Brett 6 schließlich den Deckel drauf – perfektes 6 : 0.

Dritter Spieltag (10.01.2026, Tübingen): SK Bebenhausen 2 vs. SG Metzingen/Pfullingen
Am heutigen Tage ging es nach Tübingen zum SK Bebenhausen 2 – die einzige Mannschaft, die nicht mit ihrer Erstvertretung in der BJL vertreten war. Die Tübinger waren die einzige Mannschaft, die neben unserer „SG Mellingen“ noch Chancen auf die Meisterschaft hatte, das direkte Duell wurde somit zum entscheidenden Finale um die Meisterschaft.

Zu Beginn dann gleich ein Hoffnungsschimmer: Rasmus konnte sich an Brett 4 gegen Fendrik Justus Hermann durchsetzen. Die Partie war zu Beginn zwar noch ausgeglichen, doch Rasmus’ gute Form hielt auch am heutigen Tage an – bereits sein vorheriges Spiel für die Jugendmannschaft hatte der Echaztäler gewonnen, womit er die Jugendsaison mit einer makellosen Siegesbilanz abschließt.
Bei Céleste an Brett 6 lief es hingegen nicht so rosig. Sein Gegner Skye Butz kam früh in Vorteil, und ein Schach mit gleichzeitigem Angriff auf den Turm besiegelte schließlich die Niederlage. Somit konnten die Gastgeber zwischenzeitlich ausgleichen.
Nach längerer Zeit konnte Rémy die Führung der „Mellinger“ wieder herstellen. An Brett 3 gegen Ege Cakmak lief es für ihn bereits aus der Eröffnung heraus ideal. Zwar kam sein Gegner zwischenzeitlich noch einmal ins Spiel, doch mit zwei Mehrbauern verwertete Rémy seinen Vorteil souverän und setzte schließlich mit König und Dame matt.
Das „Ping-Pong“ ging weiter: Nachdem die Mellinger zweimal in Führung gegangen waren, konnten die Gastgeber auch diesmal wieder ausgleichen. In der Partie von Felix gegen Daniel Fahrion Albor kristallisierte sich lange kein klarer Sieger heraus. Obwohl Felix früh einen Bauern weniger hatte, verteidigte er über lange Zeit zäh und ließ wenig zu. Am Ende waren die verbundenen Türme seines Gegners jedoch zu stark, sodass der Bebenhäusener seinen Freibauern durchbringen und Felix zur Aufgabe zwingen konnte.
Ab diesem Zeitpunkt sah es so aus, als hätten die „Mellinger“ ihren Zenit erreicht und müssten die restlichen Punkte den Gastgebern überlassen. Bei Georg an Brett 2 war die Stellung noch schwer einzuschätzen, Jose stand an Brett 1 bereits klar schlechter. Würde sich dieses Schicksal bewahrheiten?
Bei Georg spielte auch eine Prise Glück mit. Zwar konnte sein Gegner mit Dame und Springer Tumulte am Königsflügel verursachen, doch eine Unachtsamkeit erlaubte es Georg, plötzlich einen Turm auf der Grundreihe zu schlagen. Innerhalb weniger Sekunden wendete sich das Blatt, und Georg tütete den Sieg ein. Damit stand es 3:2 für die SG Metzingen/Pfullingen – ein Resultat, das kein Schachspieler im Hinterkopf behalten möchte, vor allem dann nicht, wenn man der letzte Spieler ist und gerade auf dem Weg ist, zu verlieren.

Am Spitzenbrett ging es aus der Eröffnung heraus stets heiß her. Joses Bauernsturm auf den Königsflügel von Luis Mi Plaza verlor nach einiger Zeit an Wirkung, woraufhin der junge Bebenhäusener immer besser ins Spiel kam und das Zentrum unter Druck setzte. Mit nur noch 30 Sekunden auf der Uhr sah sich Jose zu einem gewagten Läuferopfer gezwungen, in der Hoffnung, einen Freibauern durchzubringen. Luis reagierte jedoch falsch und ließ Jose den Läufer zurückgewinnen. Zum Remis kam es schließlich nach einem Turmtausch: Jose war einen Zug schneller in der Umwandlung und konnte Dauerschach geben.

Mit diesem förmlichen Last-Minute-Remis war die zweite Pfullinger BJL-Meisterschaft in zwei Jahren – auch wenn sie diesmal in Kooperation mit Metzingen errungen wurde – gesichert. Mit 10 Mannschaftspunkten aus 5 Spielen und 5 Siegen konnte den „Mellingern“ niemand mehr die Führung nehmen. Die Freude und Erleichterung war natürlich riesig – nach all der Spannung nun endlich Klarheit und vor allem: der Meistertitel!
Vielleicht können wir ja nächstes Jahr wieder einzelne Mannschaften melden – und auch falls nicht hätten wir nichts dagegen, gemeinsam mit den Metzingern in der kommenden Saison erneut die BJL zu rocken!

