Plötzlich und unerwartet

Trotz (oder wegen?) Zeitumstellung waren alle Spieler überpünktlich zur vorletzten Runde der Landesliga in Kirchentellinsfurt. Der Mannschaftsführer unseres Gastgebers Jürgen Berner wies darauf hin, dass es für beide Mannschaften um nichts mehr gehe und auch unser Klassenerhalt bereits sicher sei. Wahrscheinlich hatte er recht und genau gerechnet, aber auf solche Rechenspiele wollten wir uns nicht einlassen und lieber zur Sicherheit noch einen Punkt holen.

Obwohl nicht in Bestbesetzung sollte das möglich sein, da auch Kirchentellinsfurt nicht in Bestbesetzung antrat. Unentschieden gab es in der Vergangenheit des öfteren, mal wurde kürzer, mal länger gekämpft, bis das Ergebnis feststand.

Erstaunlicherweise tat sich in den ersten zwei Stunden fast nichts: keine Remisangebote und alle Partien waren mehr oder weniger ausgeglichen.

So war es nicht überraschend, dass nach einiger Zeit auch die ersten Remis eintrudelten. Sowohl die Partien von Stjepan als auch Peter waren nie außerhalb der Remisbreite.

Bei Oliver war ein wenig mehr los. Mit ein wenig Respekt vor einem möglichen aggressiven Vorgehen des Gegners war erst Sicherheit angesagt. Danach opferte Oliver einen Bauern für offene Linien, konnte dann allerdings Zugwiederholung nicht ausweichen.

An Brett 1 war relativ schnell klar, dass nicht alle Partien im friedlichen Remishafen landen würden. Mein Gegner Alexander Honisch – aus meiner Sicht der stärkste Spieler der Liga noch vor GM Ninov – überspielte mich souverän. Er hatte eine Qualität geopfert und dachte gar nicht daran, diese zurückzugewinnen. In folgender Stellung sind meine Schwerfiguren an seinen Freibauern gebunden und Schwarz kann einfach weitere Bauern einsammeln und nach vorne rennen. Ich wollte schon aufgeben, dann sah ich zumindest noch eine Mattdrohung.

Das brachte Alexander zumindest dazu, seine restliche Bedenkzeit bis auf 2 Sekunden zu verbrauchen, um sicher zu sein, dass nach h5! nichts passiert und die Partie souverän zu gewinnen.

Damit war es aber auch vorbei mit der Kfurter Herrlichkeit und die Uhr sollte eine wesentliche Rolle spielen. Während Alexander Honisch bewies, dass er nicht nur die Bedenkzeit im Griff hat, gelang das seinen Mannschaftskollegen nicht immer.

Erst vergaß Jürgen Berner die Zeit gegen Lorenzo und dachte wohl, schon 40 Züge gespielt zu haben. Der Sieg von Lorenzo war keinesfalls klar, auch wenn er die ganze Zeit am Drücker war und am Ende eine sehr angenehme Stellung hatte in guter Hoffnung, auch regulär gewinnen zu können.

Sergej hingegen nahm das analoge Geschenk von Wolfgang Rinderknecht dankbar an. Wenn nicht das Blättchen gefallen wäre, wäre ein Remis das höchste der Gefühle gewesen.

Damit lagen wir plötzlich und unerwartet in Führung und die beiden noch laufenden Partien von Tilman und Thomas standen besser für uns.

Weiter in Hochform befindet sich Tilman. Im letzten Jahr auch schon mit guter Performance, die aber eher an Entfesselungskünstler Houdini erinnerte – wie entknote ich meine Stellung, um dann zu kontern. Viel einfacher und erfolgreicher ist das Leben, wenn man von vornherein aktive Stellungen hat. Auch wenn objektiv die Stellung in der Remisbreite war – es war der Gegner, der Fehler machen konnte und auch machte. Ein kleiner taktischer Kniff – Ablenkung – brachte die Entscheidung zu Gunsten von Tilman und Pfullingen 2.

Und wie in jedem Mannschaftskampf in dieser Saison, auch wenn er bereits entschieden ist, gibt es eine Partie, die trotzdem noch besonders lange dauert. Kandidaten für lange ausgekämpfte Partien sind neben Tilman und Ludger Thomas. Thomas heute verdient mit dem besseren Ende. Den Großteil der Partie mit aktiveren Figuren (König und Turm), baute er minimale Vorteile konsequent aus und verwertete technisch sauber: Chapeau für Thomas und am Ende ein deutlich zu hoch ausgefallener 5,5:2,5-Auswärtssieg und aktuell Platz 4 in der Landesliga.

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