Schachlektionen aus Teneriffa I – Verteidigen

6 Runden sind beim Schach Open auf Teneriffa gespielt – mit mäßigen Ergebnissen für mich.
In der dritten Runde spielte ich mit Weiß gegen einen Fide-Meister – seine Aussage nach der Partie „Very good game! You must win.“
Was fehlte zum Sieg? Das Beachten der Regeln, auf die ich im Jugendtraining sehr viel Wert lege.
Eine meiner Lieblingslektionen aus der Stappenmethode: Verteidigen.
Warum halte ich diese Lektion für so wichtig? Das systematische Herangehen an Schach.
In diesem Fall: wie sollte ich auf einen Angriff reagieren?
Die vier Möglichkeiten der Verteidigung, auf einen Angriff zu reagieren, sollte jeder Schachspieler wie aus der Pistole geschossen nennen können, selbst wenn man ihn um 3 Uhr nachts anruft und aus dem Schlaf reißt.

4 Möglichkeiten, auf einen Angriff zu reagieren

  • (Angreifer) schlagen
  • decken
  • wegziehen
  • dazwischenziehen
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    Wenn ich im Jugendtraining nach den Möglichkeiten frage, wird (fast) immer eine weitere Möglichkeit genannt: der Gegenangriff.
    Diese Antwort ist falsch. Sie ist nur richtig, wenn Ihr gaaaaanz sicher seid, dass der Zug gut ist. Seid Ihr wirklich sicher?
    Warum ist ein Gegenangriff meist eine schlechte Idee? Anbei zwei Beispiele:


    Gegen den FIDE-Meister hatte ich erst seine Angriff abgewehrt, sukzessive meine Stellung verbessert und war zum Angriff übergegangen. Nach knapp 3 Stunden Spielzeit erreichten wir diese Stellung. Ich hatte gerade mit Sd5 den Bauern auf c7 angegriffen, mein Gegner reagierte mit b6 (Gegenangriff). Das widersprach schon einmal der Regel, auf einen Angriff nicht mit einem Gegenangriff zu reagieren. Ich reagierte mit Sxc7 (Gegen-Gegenangriff!). Warum war das keine gute Idee?
    Antwort

    Es ist wichtig, alle Zugmöglichkeiten des Gegners zu berücksichtigen. Ich hatte (natürlich) gesehen, dass die Dame wegziehen kann mit Gegenangriff auf den Springer. Und dass ich dann mit Läufer nach d6 sowohl Springer als auch Läufer in Sicherheit bringen kann. Was ich nicht überlegt hatte: dass es einen Unterschied macht, wenn die Dame nach f7 zieht: dann ist zusätzlich noch der Bauer auf f4 angegriffen.

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    Zweites Beispiel: diesmal profitierte ich von einem Fehler meines Gegners.
    Natürlich stehe ich hier mit Weiß schon sehr gut, aber mein Gegner macht es mir besonders einfach.


    Warum war der zweite Gegenangriff ein Fehler?
    Antwort

    Ein einfaches Zwischenschach übersehen.

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    Was lernen wir daraus: im Zweifelsfall auf einen Angriff mit einem Verteidigungszug reagieren. Bei einem Gegenangriff muss man sich sehr sicher sein, dass man alles richtig berechnet hat.

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