Am ersten Sonntag nach den Ferien wurde die Schach-Saison für die Schachfreunde Pfullingen offiziell eröffnet. Im Einsatz waren sowohl die Sechste als auch die Zweite. Die Sechste holte in der B-Klasse durch Siege von Karlo und Daniel ein 2:2 gegen den SV Urach 3 und damit den ersten Pfullinger Mannschaftspunkt der Saison.

Als Absteiger aus der Landesliga hat die Zweite für die kommende Saison die Ambition, wieder aufzusteigen. Zum Auftakt ging es heute zum SV Nürtingen 2. Das Duell fand aufgrund von Renovierungsarbeiten nicht wie gewohnt im Spiellokal Salemer Hof statt, sondern wurde in das Gemeindehaus Lutherkirche verlegt. Nürtingen hatte die vergangene Saison auf Platz 4 beendet, sodass direkt zum Saisonauftakt ein Top-Duell bevorstand.
Den Auftakt machte Christian Kull gegen Nürtingens Mannschaftsführer Tim Bentsche. Nachdem Christian seit 18 Jahren nicht mehr im Spielbetrieb aktiv gewesen war, feierte er heute an Brett 8 sein Comeback. Es entwickelte sich zunächst eine ausgeglichene Partie, ehe eine Ungenauigkeit von Christians Gegner in Zug 14 für die erste größere Spannung sorgte. Christian verpasste jedoch die Gelegenheit, den Fehler zu bestrafen, wodurch sich wieder eine ausgeglichene Stellung ergab. Nach 15 Zügen und einer Stunde einigten sich die beiden schließlich auf ein Remis.

Auch an Brett 2 gab es ein Comeback nach längerer Abstinenz, hier jedoch auf der Seite von Nürtingen. Martin Schuberts Gegner Dr. Dirk-Achim Kukofka ging mit einer DWZ von 2153 als klarer Favorit in die Begegnung gegen Martin, der zurzeit 1970 DWZ hat. Wie Martin selbst jedoch regelmäßig zu sagen pflegt: „Was sagt die DWZ schon aus?“ Diesem Satz blieb er heute treu. Es gab gerade einmal eine Ungenauigkeit pro Person, wodurch auch diese Partie nach 19 Zügen und etwa anderthalb Stunden mit einem Remis endete.

An Brett 3 duellierte sich Oliver Barth mit dem Nürtinger Jugendtalent Finnja Gold. Mit einer DWZ von 1975 und damit 132 Punkten mehr als seine Gegnerin ging Oliver als Favorit in die Partie. Insgesamt gab es drei Ungenauigkeiten, die allesamt unbestraft blieben. Nach 29 Zügen und 1 Stunde und 40 Minuten endete auch diese Partie mit einem Unentschieden.

Den ersten vollen Punkt konnten die Echaztäler nach etwa drei Stunden an Brett 4 durch Stjepan Gajek einfahren. Entscheidend war ein Patzer seines Gegners in Zug 14, der Stjepan direkt in einen erheblichen Vorteil brachte. Trotz eines zwischenzeitlichen Fehlers von Stjepan in Zug 17 entschieden zwei weitere Patzer seines Gegners Julian Theissler die Partie nach 21 Zügen zugunsten von Stjepan. Pfullingen ging damit erstmals in diesem Spiel in Führung.

Nürtingen konnte kurz darauf an Brett 6 jedoch wieder ausgleichen. Eine Ungenauigkeit in Zug 8 brachte Yves Junger zunächst in einen leichten Nachteil, ehe ein Fehler in Zug 14 ihn endgültig auf die Verliererstraße brachte. Yves’ Gegner Dr. Stefan Gold konnte die Partie nach 31 Zügen für sich entscheiden. Es stand also 2,5 : 2,5 und es blieb spannend.

Auch dauerte es nicht lange, bis Pfullingen wieder in Führung ging: Jose Bosch konnte an Brett 7 gegen den wertungsmäßig ebenbürtigen Julian Stehr gewinnen. Ein Patzer in Zug 7 brachte Jose zunächst in Materialnachteil, doch ein Fehler seines Gegners im darauffolgenden Zug ermöglichte ihm die Rückkehr in die Partie. Ein schwerer Patzer seines Gegners, der vor allem der Zeitnot geschuldet war, brachte Jose schließlich endgültig auf die Siegerstraße. Nach 29 Zügen war der zweite volle Punkt für Pfullingen perfekt.

Wie gewonnen, so zerronnen – das Ping-Pong ging weiter. Vier Stunden und ganze 45 Züge dauerte die Partie zwischen Petros Hipp und seinem Gegner Stefan Auch an Brett 5, ehe Nürtingen wieder ausgleichen konnte. Entscheidend war eine Situation, in der Petros die Wahl zwischen zwei möglichen Schlägen hatte und sich unglücklicherweise für die falsche Figur entschied. Sein Gegner ließ danach nichts mehr anbrennen und brachte den Ausgleich für Nürtingen nach Hause.

Das große Finale des Tages fand ausgerechnet am Spitzenbrett statt: Tilman Schülke traf dort auf das Nürtinger Nachwuchstalent Friedrich Seischab. Die Partie dauerte mit über fünf Stunden nicht nur am längsten, sondern umfasste auch ganze 88 Züge. Bis Zug 25 war die Partie einigermaßen ausgeglichen, ehe ein erster Fehler Tilman in eine schlechtere Stellung brachte. Danach baute sein Gegner seinen Vorteil durch weitere Material- und Positionsgewinne zunehmend aus. Tilman kämpfte bis zum Ende weiter, konnte die Partie jedoch nicht mehr retten. Damit sicherte sich Nürtingen schließlich den knappen 4,5:3,5-Sieg.

Auch wenn das Ergebnis aus Pfullinger Sicht nicht erfreulich ausfiel, bot das Duell am ersten Spieltag reichlich Spannung. Wäre es Fußball gewesen, hätte der Mannschaftskampf wohl einem 5:4 geglichen, bei dem die Mannschaften abwechselnd die Führung übernehmen – für die Zuschauer wäre es sicherlich ein unterhaltsames Spiel gewesen. Nach diesem Spieltag steht die zweite Mannschaft auf Platz 7 von 10. Für die Zweite gilt es nun, am 18. Oktober im Heimspiel gegen den SV Tübingen die ersten Mannschaftspunkte der Saison einzufahren.

Fotos von Donavan Garces und Jose Bosch
